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Die Reparatur und Rekonstruktion der Stadt

1987: IBA Berlin

Die gemordete Stadt

Fortschritts- und Modernitätsbestreben prägten die Stadtentwicklung der 60er und 70er Jahre. Ganze Viertel traf der „Abriss für den Wiederaufbau“. Die Abkehr von der historischen Stadt und die gängige Strategie der Flächensanierung und des Abrisses ganzer Stadtquartiere stößt jedoch zunehmend auf Kritik und Widerstand.

Die Rehabilitation der historischen Stadt

Im bewussten Kontrast zur Interbau von 1957 war das zentrale Thema der IBA 1987 die Wiederentdeckung der durch Krieg und Mauerbau weitgehend zerstörten historischen Innenstadt in Berlin. Erstmals in der Geschichte der Bauausstellung macht die IBA Berlin die Erneuerung der Altbaubestände und das Einfügen von Neubauten in den Bestand – also die Reparatur der Stadt – zum zentralen Anliegen. 30 Jahre nach der Interbau stellt sich die IBA Berlin 87 gegen den Nachkriegsstädtebau. Gegründet wurde die Bauausstellung Berlin GmbH vom Senat der Stadt Berlin 1979. Die IBA Berlin 1987 lebt von zwei Ansätzen zur Stadtentwicklung: der IBANeubau und der IBA-Altbau.

Kritische Rekonstruktion (IBA-Neubau)

Zwischen 1979 und 1987 setzte die IBA-Neubau im Rahmen von Wettbewerben mit internationalen Architekten eine Vielzahl an Neubauprojekten um. Schwerpunkte sind die südliche Friedrichstadt, das südliche Tiergartenviertel und der Tegeler Hafen. In ihrer Programmatik befasste sie sich mit der „kritischen Rekonstruktion“ der Stadt, die so wieder zum Anliegen von Architektur und Baukunst wurde.

Behutsame Stadterneuerung (IBA-Altbau)

Massive Proteste gegen Abriss und Wohnungsnot mündeten 1977 in den Wettbewerb „Strategien für Kreuzberg“ und ab 1979 in die illegale „Instand(be)setzung“ zahlreicher leerstehender Häuser im Stadtteil – Ausgangspunkte für die IBA-Altbau. Zu ihren wesentlichen Anliegen zählt die Erhaltung, Stabilisierung und Weiterentwicklung der vorhandenen sozialen und funktionalen Strukturen der Stadt und die Durchsetzung von Prozessen wie Selbsthilfe- und Mietermodernisierung.

Referenz für die behutsame Stadterneuerung

Von Januar 1986 bis Dezember 1992 führte die private, in Nachfolge der IBA gegründete S.T.E.R.N. GmbH mit derselben Mannschaft den Erneuerungsprozess weiter. Für die außergewöhnlichen Leistungen im Rahmen der „Behutsamen Stadterneuerung in Kreuzberg“ wurde das Land Berlin 1994 mit dem „European Urban and Regional Award“ ausgezeichnet. Insgesamt führte vor allem die IBA-Altbau die Planung in eine neue Epoche: Der Neubau tritt zurück hinter die Sicherung und Modernisierung der Bestände. Mit ihren Pilotprojekten war sie der Auslöser von Förderprogrammen zur Stadterneuerung und von Änderungen der Gesetzespraxis für Sanierung und zum Milieuschutz.

Text- und Bildveröffentlichung auf Basis der Ausstellungsbroschüre "IBA meets IBA" mit freundlicher Genehmigung des M:AI Museums für Architektur und Ingenieurkunst des Landes Nordrhein-Westfalen und der IBA Hamburg.
Bild: Senatsverwaltung für Bau- und Wohnungswesen Berlin & Manfred Kraft

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letzte Änderungen: 13.4.2010 16:26

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Das IBA-Netzwerk hat ein Memorandum zur Zukunft Internationaler Bauausstellungen erarbeitet, dass die Qualität zukünftiger IBAs sichern soll. mehr